Geistige Gesundheit, Gesundheit

10 Tage Vipassanā Meditation – Erfahrung & Tipps

gestapelte Steine an einem Bach

Um das neue Jahr in Ruhe und bei mir selbst zu beginnen, hatte ich mich bereits letztes Jahr dazu entschlossen, über Silvester einen 10 Tage Vipassanā Kurs zu besuchen.

Was ist Vipassanā?

Vipassanā bedeutet in Pali, einer der einstigen Sprachen Indiens, „Die Dinge so zu sehen, wie sie sind.“ Es ist die überlieferte Lehre von Gotama, dem historischen Buddha. Die Technik wurde von ihm als die Kunst des Lebens und als universelles Heilmittel gegen Krankheiten gelehrt. Sie ist frei von religiösen Ansätzen, Dogmen, Mystik und anderen blinden Glaubenssätzen. Es ist ein Weg der Selbsterkenntnis. Der Fokus liegt dabei auf der tiefliegenden Wechselwirkung zwischen Körper und Geist, welche durch Achtsamkeit auf die körperlichen Empfindungen erfahren werden kann. Der Körper und der Geist unterliegen Naturgesetzen (Dhamma), die unser Denken, unsere Gefühle und unsere Empfindungen steuern. Durch die selbsterforschende Erfahrung des Ursprungs von Geist und Körper wird verständlich, wie ein ausgeglichener Geist voller Liebe und Mitgefühl erlangt werden kann. Das Erkennen von Illusionen, geistigen Unreinheiten und das Erlangen von Selbstkontrolle, Frieden und Harmonie werden wesentliche Bestandteile des eigenen Lebens. Vipassanā ist ein Weg, im Leben die Befreiung des Nirwana zu erlangen.

Kurzer Überblick

Die Lehre von Vipassanā beinhaltet im Wesentlichen drei Schulungsbereiche.

  • sīla – Moral, ethisches Handeln
  • samādhi – Konzentration und die Beherrschung des Geistes
  • paññâ – Weisheit

Sīla beinhaltet die Einhaltung von fünf Regeln. Die anderen zwei Schulungsbereiche werden mit der täglichen Meditationspraxis gestärkt.

sīla

  • kein lebendes Wesen zu töten
  • nicht zu stehlen
  • keine sexuellen Verfehlungen zu begehen
  • nichts Unwahres oder Unheilsames zu sprechen
  • keine berauschenden Mittel zu sich zu nehmen

Meine Erfahrung

Die Erfahrung einer zehntägigen Schweigemeditation in ein oder zwei Absätzen zu schildern, scheint mir zum heutigen Tag unmöglich zu sein. Erst vor einigen Tagen hat der Kurs geendet und ich habe viele Eindrücke und Erfahrungen selbst noch nicht verarbeitet.

Meine Erfahrungen hin oder her sollte es jedem klar sein, dass das was in einem zehntägigem Vipassanā Kurs erlebt und erfahren wird, so unterschiedlich ist wie jede/r einzelne Meditierende. Daher habe ich mich dazu entschlossen meinen Erfahrungsbericht auf das Minimum zu kürzen. Ich wusste sehr viel über Vipassanā und die Erfahrungen anderer Menschen. Ich machte damit die Erfahrung, dass dieses Vorwissen eher hinderlich als förderlich für meine Praxis war. Dadurch dass ich wusste, wie und was andere erlebt hatten, habe ich mich unweigerlich damit verglichen. Das schürte Zweifel in mir. Zweifel, die nicht hätten sein müssen. Da viele im Verlauf dieser zehn Tage von Zweifel und Frustration heimgesucht werden, erachte ich es als besser, möglichst wenig und möglichst unvoreingenommen solch einen Kurs zu besuchen.

Was ich jedoch mit euch teilen möchte ist, dass ich Vipassanā als ein inspirierendes Lebensereignis erachte und es jedem Menschen voller Wohlwollen ans Herzen lege. Meine Erfahrung nach werdet ihr sehr wahrscheinlich mit einer großen Bandbreite an positiven und negativen Gefühlen konfrontiert werden. In meinem Fall überwogen die Negativen, aber dennoch möchte ich die Erkenntnisse und Einsichten nicht missen und möchte euch nochmals von Herzen dazu raten.

Meditierender mit zusammengefalteten Händen und in roter Robe

12 Tipps zu Vipassanā

Eines möchte ich euch noch vorab verraten. Ein zehntägiger Meditationsretreat ist KEIN Urlaub. Hier möchte ich noch mit euch teilen, was mir während den 10 Tagen geholfen hat, bzw. die Dinge, die ich mir gewünscht habe, aufzählen:

  1. Schlaf so viel wie möglich

Nutze die Pausen zwischen den Meditationen zum Schlafen. Auch wenn du den ganzen Tag „nichts“ außer meditieren machst. Vipassana ist sehr anstrengend! Außerdem können viele Schüler in der Nacht kaum oder gar nicht schlafen. Keine Sorge, das ist ganz normal.

  1. Beginne deinen Kurs erwartungsfrei

Lass dich einfach auf diese 10 Tage voll und ganz ein. Es ist wie mit Schwimmen, du kannst lesen was du willst. Um Schwimmen zu lernen musst du dich nass machen.

  1. Viele Decken und Kissen

Decken und Kissen können das stundenlange Sitzen im Schneidersitz sehr viel bequemer gestalten.

  1. Hüfte höher als die Knie

Wenn deine Knie im Schneidersitz niedriger liegen als die Hüfte stellt sich automatisch eine leichte Vorwärtsdrehung der Hüfte ein. Diese Drehung erleichtert das Sitzen mit aufrechtem Rücken.

  1. Tennisball – Geheimtipp!

Deine Schultern, Beine, Hüfte, etc. werden vom langen Sitzen schmerzen. Eine Tennisballmassage wird sich als wahrer Luxus herausstellen.

  1. Blick auf die Hausschuhe

Vergiss all deine Manieren und starr den Menschen während der noblen Stille nur auf die Füße.

  1. Oropax sind Gold wert

Ob verkühlte Mitmeditierende oder schnarchende Zimmergenossen, Oropax werden dir beim Meditieren und Schlafen helfen.

  1. Thermoskanne

Individualisiere deine Thermoskanne. Bei bis zu 160 Teilnehmern werden bestimmt 5 Leute dieselbe Thermoskanne haben wie du.

  1. SN Goenka Englisch

Die einzelnen Tage können lang und anstrengend sein, Goenkas Humor und Art sorgen für herzhafte Lacher und Motivation für die folgenden Tage. Lass dir diesen tollen Menschen nicht entgehen!

  • einen Tag danach freinehmen

Nimm dir den ersten Tag nach dem Kurs noch frei. Ein Tag zum Entspannen wird sehr willkommen sein.

  • Nutze die Zeit

Auch wenn es anstrengend sein wird die Regeln einzuhalten, lange zu sitzen und stundenlang zu meditieren, um wirklich maximal von der Meditation zu profitieren und der Technik einer Chance zu geben, halte durch und gib dein Bestes! Lass dich darauf ein, die Regeln wurden zu deinem Wohl aufgestellt – auch wenn du das an einigen Zeitpunkten nicht glauben kannst.

  • Übe zu sitzen und mach Yoga

Versuche vor dem Kurs, dich soviel wie möglich auf einem Kissen auf dem Boden aufzuhalten, um einen Vorgeschmack zu bekommen. Auch gute Flexibilität werden von Nutzen sein!

Foto vom Nachthimmel in Damüls

Der Kurs

Als neuer Schüler steht dir der 10-Tages-Kurs als Einführung in die Meditationstechnik zu Verfügung. Angeboten werden jedoch 1, 10, 20, 30 und 45-Tages Kurse. Vipassanā wird auf der ganzen Welt angeboten, für Österreich findest du hier mehr Infos. Die Kurse sind grundsätzlich kostenlos, die Lehrer und Helfer arbeiten ehrenamtlich und die Kosten für Verpflegung und Unterkunft werden von den Spenden alter Schüler getragen. Nachdem du den ersten Kurs absolviert hast, darfst du auch Spenden. Die Zeittafel während der 10 Tagen sieht wie folgt aus:

 

  • 4 Uhr:Morgen-Gong, aufstehen
  • 30 Uhr bis 6.30 Uhr:Meditieren im Zimmer oder Meditationssaal
  • 30 Uhr bis 8 Uhr:Frühstückspause
  • 8 bis 9 Uhr: Gruppenmeditation im Meditationssaal
  • 9 bis 11 Uhr:Meditieren im eigenen Zimmer oder Meditationssaal
  • 11 bis 12 Uhr:Mittagspause
  • 12 bis 13 Uhr:Ausruhen, ggf. Gespräche mit den Meditationslehrern
  • 13 bis 14.30 Uhr:Meditieren im Saal oder im eigenen Zimmer
  • 30 bis 15.30 Uhr:Gruppenmeditation im Meditationssaal
  • 30 bis 17 Uhr: Meditieren im Zimmer oder Meditationssaal
  • 17 bis 18 Uhr: Abendpause
  • 18 bis 19 Uhr: Gruppenmeditation im Saal
  • 19 bis 20.15 Uhr:Vortrag im Saal
  • 15 bis 21 Uhr:Gruppenmeditation im Saal
  • 21 bis 21.30 Uhr: Fragen & Antworten mit dem Lehrer
  • 30 Uhr: Schlafen gehen, Lichter aus

 

Abschließende Worte

Ich war schon seit längerem auf der Suche nach einer neuen Meditationstechnik, weil sich die Transzendentale Meditation für mich nicht mehr stimmig anfühlt. Ich werde dieser neuen Technik eine Chance geben und in einigen Monaten von meinen Erfahrungen berichten. Ich möchte nochmals betonen, dass Vipassanā eine wundervolle Erfahrung für mich war und, dass ich jedem ein 10-Tages Kurs ans Herz lege.