Ethik, Umwelt

Pflanzlich tut den Tieren gut

Kalb

Das Leid der Tiere zu verhindern, ist für viele Menschen, wie für mich auch, der ausschlaggebende Grund, sich vegan zu ernähren. Was die Menschheit mit Tieren aufführt, kann man nur als grausam und unmenschlich beschreiben. Milliarden von Tieren sterben für Genuss und Lust.

Menschen im Blutrausch?

Den wenigsten ist bewusst, wie viele Tiere jährlich für unsere Bedürfnisse sterben. Weltweit sind es um die 70 Milliarden[1][2] Zuchttiere. Wobei Fische aus Wildfang hier nicht berücksichtigt werden. Diese machen weitere ein bis zwei Trillionen (inkl. Beifang) aus.[3] Österreich liegt mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 65 Kilogramm auf Platz drei in der EU und auf Platz fünfzehn weltweit. JedeR ÖsterreicherIn isst in ihrem/seinem Leben circa 1287 Tiere (= 5,9 Tonnen Fleisch). Zu unterscheiden ist der Fleischverzehr und Fleischverbrauch. Fleischverzehr ist die Menge, die wir essen. Der Verbrauch inkludiert Teile, die sich nicht zum Verzehr eignen (Hörner, Haut, Haare, usw.). Der Fleischverbrauch liegt bei 97 Kilogramm pro Jahr und Person – dafür werden in Österreich circa 99 Millionen Tiere jährlich geschlachtet.[4]

 

Woher kommt die Idee, dass wir über alles herrschen dürfen?

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Menschheit. Das Bild der Menschheit als die Krönung der Schöpfung zu sehen, besteht schon sehr lange. Zurückzuführen lässt sich diese Idee auf den griechischen Gelehrten und Gründer der Zoologie Aristoteles (384 – 322 v. Chr.). Die Grundidee Aristoteles’ war es, das am kompliziertesten erscheinende Lebewesen, als die höchststehende Lebensform zu sehen, also als die Krönung der Schöpfung. Außerdem war für Aristoteles auch klar, dass der Mensch mit seiner Gabe des Verstands, eine Sonderklasse der Tiere ausmacht, die ihn von allen anderen abhebt.

Im Islam und Judentum fallen zwar löbliche Worte über das Tier, aber alle monotheistischen Religionen des Nahen Ostens werten die Tiere gegenüber dem Menschen bis zur Bedeutungslosigkeit ab. Auch wenn in den fernöstlichen Religionen Tiere theoretisch einen höheren Wert in den Glaubensschriften haben, dominiert dennoch die anthropozentrische Ordnung. In den letzten Jahrtausenden wurde der Graben zwischen den Menschen und Tieren immer größer. Diese Abwertung der Religion und die Trennung durch die Wissenschaft bringen uns heute an einen Punkt, an dem dieser Glauben tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist.[5]

Kuh hinter dem Zaun

Das Paradoxon

Schlachthöfe und Tierfabriken werden nicht umsonst mit Stacheldrahtzäunen und fensterlosen Gebäuden hermetisch von der Bevölkerung abgeriegelt. Die Dinge, die in diesen Gebäuden vonstattengehen, stimmen in keinster Weise mit den Grundwerten der Menschheit überein. Auf der einen Seite unterstützen wir mit unserem Geld ein System, welches Tiere in schrecklicher Weise haltet und tötet, wobei die wenigsten von uns selbst jemals ein Tier töten könnten. Auf der anderen Seite halten wir Haustiere, welche von uns geliebt und als vollwertige Mitglieder unserer Familien angesehen werden. Woher kommt dieses Paradox?

Der Karnismus

Dr. Melanie Joy hat den Begriff Karnismus geprägt. Es handelt sich dabei um eine unsichtbare Ideologie, welche die Menschen konditioniert, gewisse Tiere zu essen und andere nicht. Menschen in fleischessenden Kulturen denken üblicherweise nicht darüber nach, weshalb sie bestimmte Tiere essen bzw. weshalb sie überhaupt Tiere essen. Doch da es in den wenigsten fleischessenden Kulturen eine Notwendigkeit Fleisch zu essen gibt, macht es das Töten und Essen von Tieren zu einer Wahl. Eine Wahl, welche von einem konditionierten Glaubenssatz stammt.

Dem Karnismus auf die Schliche kommen

Karnismus steht entgegen menschlichen Grundwerten wie Mitgefühl und Gerechtigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass die wenigsten einem Lebewesen vorsätzlich unnötiges Leid zufügen würden und doch unterstützen es die meisten finanziell. Karnismus verwendet eine Reihe von primären Verteidigungsmechanismen, welche unsere Gedanken verzerren und unsere natürliche Empathie blockieren, sodass wir entgegensetzt unserer Grundwerte handeln können. [6]

  • Verleugnung

Die primäre Verteidigung ist Verleugnung. Denn wenn ein Problem verleugnet wird, müssen wir nichts dagegen unternehmen. Verleugnet wird in erster Linie durch „Unsichtbarkeit.“ Unsichtbar bleibt er dadurch, dass diese konditionierende Ideologie nicht als Karnismus benannt wird. Aber es werden auch die Milliarden brutal getöteten Opfer, die ausgenutzten Arbeiter, die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen und die Umweltzerstörung verschleiert und so der Öffentlichkeit vorenthalten. Ganz nach dem Sprichwort „aus den Augen aus dem Sinn.“

  • Rechtfertigung

Eine weitere Verteidigungsstrategie ist die Rechtfertigung. Wir lernen Mythen, als Fakten anzusehen. Vor allem sind das die Mythen, dass das Essen von Tieren normal, notwendig und natürlich ist. Damit rechtfertigen wir, ein ausbeuterisches und brutales System zu unterstützen. Die drei „Ns“ wurden übrigens auch zur Rechtfertigung von Sklaverei, Männlicher Dominanz, usw. genutzt.

  • Kognitive Verzerrung

Der Karnismus nutzt einige Mechanismen, welche unsere Wahrnehmung verzerren, damit wir uns bequem genug fühlen, Fleisch-, Eier- und Milchprodukte verzehren zu können. Wir lernen von Kindheit an Nutztiere als Objekte und nicht als Individuen mit einer Persönlichkeit (Schwein ist Schwein, alle Schweine sind gleich) zu sehen. Wir lernen auch, Tiere in sehr unterschiedliche Kategorien zu stecken und dementsprechend unterschiedliche Verhaltensweisen und Gefühle gegenüber diesen verschieden kategorisierten Tieren zu haben.

Sekundäre Verteidigungsstrategien und andere Hürden

Die Verteidigungsstrategien dienen dem Nutzen, den Karnismus zu stärken (primäre Verteidigung) und Verfechter, wie z. B. den Veganismus zu entkräften (sekundäre Verteidigung). Dies wird durch das Untergraben der veganen Ideologie (Praktiken und Überzeugungen) und dem Verzerren oder Verschleiern von Fakten (z. B. gesundheitliche und ökologische Vorteile) erreicht. Außerdem werden VeganerInnen gerne als emotional, irrational und radikal angesehen – Stereotypen, welche helfen sollen, die „Vegan Message“ zu diskreditieren. [7]

By shooting the messenger, carnism makes it less likely that the message – which directly challenges the validity of carnism – will be heard. -Carnism.org

Authentische Entscheidungen beim Essen treffen

Um wirklich bewusste und freie Entscheidung bezüglich unserer Nahrungsmittelwahl zu treffen, müssen wir uns bewusst machen, in welcher Weise uns der Karnismus beeinflusst. Die Verteidigungsstrategien haben einen starken Einfluss auf uns, solange diese unbewusst bleiben. Sobald sie bewusst werden, sind sie fragil. Wenn wir diese Verteidigungsstrategien erkennen, werden wir fähig, unsere Entscheidungen basierend auf unseren eigenen authentischen Gefühlen und Gedanken zu fällen, anstatt auf dem, was uns gesagt wurde, wie wir fühlen und denken sollen.  Wenn wir eine gerechtere Gesellschaft kreieren wollen, ist es notwendig, alle Arten von Unterdrückung abzulehnen.

Ziege am fressen

Was du tun kannst

Um Mitgefühl und Gerechtigkeit zu kultivieren, geht es nicht einfach nur darum, sein Verhalten zu ändern, sondern es geht vor allem darum, sein eigenes Bewusstsein zu ändern, damit keine Menschen oder Nichtmenschen Opfer von Unterdrückung sind. Beginnen kannst du sehr gut damit, dir über folgende Fragen, Gedanken zu machen. Ich lade dich ein, sie kritisch und ehrlich zu beantworten.

  • Habe ich jemals darüber kritisch nachgedacht, weshalb ich Tiere esse?
  • Wieso esse ich nur gewisse Tiere?
  • Was ist für mich der Unterschied zwischen Nutztieren und Haustieren?
  • Weshalb esse ich die einen, während ich die anderen liebe?
  • Was fühle und denke ich, wenn ich an Nutztiere und Haustiere denke?

Gedankenexperiment von Melanie Joy:

„Stell dir vor, ein toller Abend. Die Stimmung ist gut und das Essen ist so köstlich, dass du den Koch nach dem Rezept fragst. Das Geheimnis, so die Antwort des Kochs, liege im Fleisch. 3 Pfund Golden Retriever gut abgehangen – und nun stell dir vor, wie es dir dabei geht.“

Nützliche Links und Bücher

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