Umwelt, Umweltschutz

Pflanzlich tut der Umwelt gut

Mohnblumen in der Toskana

Wir befinden uns inmitten einer gesundheitlichen und ökologischen Krise, die sich immer weiter zuspitzt. Chronische Krankheiten sind heute bei weitem der führende Grund für frühzeitiges Versterben. Schlagzeilen wie „Forscher erwarten Insektensterben binnen 100 Jahren“ usw. erinnern uns schon beinahe täglich daran, wie drastisch der Klimawandel sich auf unsere Welt auswirkt. Wir brauchen schleunigst Veränderungen. Dabei stellt sich die Frage: Gibt es etwa Möglichkeiten, beiden Krisen gleichzeitig entgegenzutreten? Sozusagen eine Win-Win Situation herbeizuführen? Wie mit dem Beispiel des Fahrradfahrens. Es ist sowohl für Klima als auch für die persönliche Gesundheit besser als das Autofahren.

 

Ein Weg, beiden Krisen zugleich entgegenzutreten

 

Es scheint, als wären die Nahrungsmittel, die zum Entstehen von chronischen Krankheiten beisteuern,[1] auch genau die, die die meisten Treibhausgase produzieren.[2] Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte haben den größten negativen Klimaeinfluss. Wobei Getreide, Hülsenfrüchte, Früchte, Gemüse den geringsten haben. Die Nahrungsmittel mit dem größten negativen Einfluss scheinen nicht nur eine niedrigere Nährstoffqualität zu haben, sondern auch einen höheren Preis per Kilogramm.[3]

„Wieviel Planeten bräuchten wir, wenn jeder so leben würde wie du?”
Hier findest du die Antwort

Gibt es einen wirklich effektiven Weg?

 

Die Europäische Union hat eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, was jedeR BürgerIn für den Klimaschutz tun kann. Untersucht wurden die Bereiche Mobilität, Unterkunft und Ernährung. Nehmen wir an, jedeR EuropäerIn würde von nun an nur noch mit einem Elektroauto fahren und den Thermostat in der Wohnung um einen Grad kälter drehen. Damit würden wir 194 Millionen Tonnen CO2 weniger emittieren (174 Mobilität + 22 Thermostat). Doch ein weitaus effektiverer Weg wäre, zu einer vegetarischen Ernährung zu wechseln, die 200 Millionen Tonnen CO2 einsparen würde.[4]

 

Im Jahr 2014 führten britische Forscher eine Studie durch, die ernährungsbezogene Treibhausgase verschiedener Ernährungsformen verglich. Nach Geschlecht getrennt und mit einer durchschnittlichen Nahrungsaufnahme von 2000 kcal kamen sie zu folgendem Ergebnis: Die durchschnittliche Ernährung mit Fleisch produziert täglich zweieinhalb Mal mehr Treibhausgasemissionen als eine vegane Diät (Abbildung 1). Auch italienische Forscher kamen bei ihren Untersuchungen zu einem gleichen Ergebnis. Der geringste Schaden an der menschlichen Gesundheit und der Ökosystemqualität und der geringste Ressourcenverbrauch gehen von einer pflanzlichen Ernährung, die ihre Nahrungsmittel aus biologischer Landwirtschaft bezieht, aus (Abbildung 2).[5]

Durschnittliche ernährungsassozierte THG Emissionen (gCO2e) pro Tag

Abbildung 1[6] (gCO2e, Gramm Kohlenstoffdioxid Äquivalent)[7]

„Gemeinsam sind die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne bereits heute für mehr Treibhausgas-Emissionen pro Jahr verantwortlich als die Ölkonzerne Exxon-Mobil, Shell oder BP.“
-Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP), 2018
Durchschnittlicher Umwelteinfluss verschiedener Ernährungsformen
Abbildung 2[8] (Je mehr Punkte desto größer der Einfluss; Ernährungsweise anhand Ernährungsrichtlinien Italien)

Land- und Wasserverbrauch

 

Auch bei Land- und Wasserverbrauch besteht ein ähnlicher Trend. Ohne Milch- und Fleischverzehr könnte das globale Acker- und Weideland um mehr als 75 Prozent reduziert und trotzdem die gesamte Weltbevölkerung ernährt werden. Wir sprechen hier von einem Gebiet der Größe der EU, China, USA und Australien zusammen.

 

Der Wasserverbrauch für die Lebensmittelherstellung schwankt sehr stark je nach Region. Trotzdem gehört die Landwirtschaft – global gesehen – mit je nach Studie 70 oder 92 Prozent (89 Prozent in der EU[9]) zu den Top-Wasserverbrauchern. Wobei ein Drittel des Verbrauchs mit tierischen Produkten in Zusammenhang gebracht wird.[10]

Globaler durchschnittlicher Wasserfußabdruck verschiedener Lebensmittel

Tabelle 1 [11]

Großes Einsparungspotential mit gesünderer Ernährungsform

 

Der Gesamtverbrauch an Wasser pro Person, der zur Herstellung aller Waren oder Lebensmittel benötigt wird, wird als virtuelles Wasser bezeichnet. JedeR ÖsterreicherIn braucht täglich 4400 Liter pro Tag (lcd = Litres per capita per day) dieses virtuellen Wassers.[12] Der durchschnittliche Wert der EU liegt bei 4815 lcd bei einem Lebensstil mit einer durchschnittlichen europäischen Diät. Eine vegetarische Ernährung schluckt jedoch nur 3476 lcd, was eine Einsparung von 41 Prozent ausmachen würde. Eine pflanzliche Ernährung wurde nicht untersucht.[13]

 

Neben dem Verbrauch ist auch die Wasserverschmutzung bei der Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln weitaus geringer. Die FAO schätzt die Nutztierhaltung als die größte sektorale Quelle für Wasserverschmutzung ein.[14]

“A vegan diet is probably the single biggest way to reduce your impact on planet Earth, not just greenhouse gases, but global acidification, eutrophication, land use and water use.”

– Joseph Poore, at the University of Oxford, UK

Mohnblumen in der Toskana

Biodiversität unseres Planeten

 

Sogar der starke Artenverlust würde mit einem geringeren Verzehr von tierischen Produkten gebremst werden, da die industrielle Tierhaltung die stärkste Gefährdung für die Tierwelt ausmacht.[15] Ein Analysebericht der FAO über die Biodiversität der Erde und dessen Gefährdung kam zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Drittel aller terrestrischen Ökoregionen direkt von der Nutztierhaltung bedroht ist.[16]

 

Auch unsere Weltmeere befinden sich in einem besorgniserregenden Zustand. Bereits über 90 Prozent aller Fischbestände sind überfischt oder stehen kurz davor maximal ausgebeutet zu werden. Kanadische Wissenschaftler sind zum Entschluss gekommen, dass bei der Aufrechterhaltung der aktuellen Intensität der kommerziellen Fischerei, diese noch in der Mitte dieses Jahrhunderts aufgrund leerer Meere komplett zusammenbrechen wird.[17] 2050 wird mehr Plastikmüll als Fische in den Weltmeeren zu finden sein.[18]

Eine Win-Win-Win Situation

 

Klimawandel-Migrationsstrategien sind sehr teuer und sie tendieren dazu, sich auf den Energiesektor zu fokussieren. Wobei der Viehhaltungssektor nur sehr wenig Aufmerksamkeit erhält. Doch eine Änderung der globalen Ernährungsgewohnheiten zu einer gesünderen Ernährung mit weniger Fleisch und der damit verbundenen Senkung des Wasser- und Landverbrauches, der Treibhausgasemissionen und der Umweltverschmutzung, könnte die Migrationskosten senken. Eine Studie zeigt, dass eine solche Ernährung die Kosten von einem Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts (globaler BIP 2018 = 87.500.000.000.000 US Dollar = 87,5 Billionen)[19] um mehr als die Hälfte senken könnte. Eine pflanzliche Ernährung könnte sie um 80 Prozent senken. Die positiven Effekte auf unseren Planeten und die persönliche Gesundheit wären noch stärker.[20]

 

Diese veränderten Ernährungsgewohnheiten führen in meinen Augen zu einer Triple-Win-Situation, und zwar gesundheitlich, ökologisch und finanziell.

 

Gesprochenes und Handlung liegen oft weit auseinander

 

Bereits vielen Menschen ist „die Kuh im Raum“ bewusst, denn sie wünschen sich nachhaltigere Lebensmittel. Doch was Leute denken, fühlen und sagen, stimmt nicht immer mit dem was sie tun überein. Auch wenn das öffentliche Interesse an nachhaltigeren Lebensmitteln wächst, können fehlendes Wissen, unbewusste Gewohnheiten und kulturelle Barrieren einem tatsächlichen nachhaltigen Verhalten im Wege stehen.[21]

 

Um nachhaltigeres Verhalten zu entwickeln, ist es zu aller erst notwendig, die eigenen Gewohnheiten und Glaubenssätze zu reflektieren und sich bewusst kritisch zu informieren.

Was du tun kannst

 

Sich selbst diese  Fragen zu stellen, liegt nicht nur im Interesse des Planeten, sondern vor allem auch im Interesse der persönlichen Gesundheit. Ernährung ist der größte beeinflussbare Lebensstilfaktor für ein langes und gesundes Leben.[22]

 

  • Ernähre ich mich entsprechend meiner Werte? (Gesundheit, Ethik, Nachhaltigkeit)
  • Was tut mir wirklich gut? Ernähre ich mich dementsprechend?
  • Habe ich mich jemals bewusst kritisch mit meinen Ernährungsgewohnheiten auseinandergesetzt?
  • Was glaube ich über eine vegetarische oder vegane Ernährung zu wissen? Woher habe ich diese Informationen?
  • Bin ich mir der ökologischen Konsequenzen meiner Ernährungsgewohnheiten bewusst?
  • Bin ich mir über die gesundheitlichen Wirkungen meiner Ernährungsgewohnheiten bewusst?

Nützliche Links

Film Tipps:

 

Quellen:

[1] Cooking up a Storm, 2008
[2] Public Health benefits of strategies to reduce greenhouse-gas emissions, 2009
[3] Identifying sustainable Foods, 2014
[4]Cedelft, behavioral climate change mitigation options and their appropriate inclusion in quantitative long-term policy scenarios, 2012
[5] Evaluating the environmental impact of various dietary patterns combined with different food production systems, 2007
[6]Springer, Dietary greenhouse gas emissions of meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans in the UK, 2014

[7] Wikipedia, Teibhauspotential

[8] Nature, Evaluating the environmental impact of various dietary patterns combined with different food production systems, Figure 1, 2007

[9] Waterfootpring Org, Potential savings through changes in European diets, 2013

[10] The Guardian, True Cost of eating meat, 2018

[11] Waterfootprint Org, Water footprint crop and animal products, 2010/

[12] Water Footprint Assessmenttool

[13] Waterfootprint Org, Potential savings through changes in European diets, 2013

[14] FAO, Livestocks long shadow, livestocks role in water depletion and pollution, 2006

[15] The Guardian, Avoiding Meat and Dairy is the single biggest way to reduce your impact on earth, 2018

[16] FAO, Livestocks impact on biodiversity, 2006

[17] Sience, Impact of biodiversity loss on ocean ecosystem services, 2006

[18] Der Standard, 2050 könnte Plastikmüll den Fischbestand in den Meeren übertreffen, 2016

[19] Statica, Entwicklung des BIP Weltweit, 2018

[20]Springer Science, Climate benefits of changing diet, 2008

[21]Cedelft, behavioral climate change mitigation options and their appropriate inclusion in quantitative long-term policy scenarios, 2012

[22] PubMed, The state of US health, 1990-2010: burden of diseases, injuries, and risk factors, 2013